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NR. 1 – APRIL 2005
Vorgeblich wird die Debatte unter der Überschrift geführt, Frauen mit sexuellen Problemen besser Studie: Sexuelle „Probleme“ und Beziehungszufriedenheit – As- helfen zu können. Anstatt aber auf das bisher ange- pekte der Medikalisierung sexueller (Un-) Zufriedenheit von Frauen sammelte Wissen über weibliche Sexualität zurück-zugreifen oder wenigstens Untersuchungen zu for- Aus dem BV: Reproduktionsmedizin-Fachtagung dern, in denen Frauen in verschiedenen sozialen Genitale Verstümmelung - 30000 in Deutschland betroffen S. 2 Situationen und Lebensaltern befragt werden, was Paritätischer Gesamtverband: Fachtagung-Migrationsarbeit S.2 ihnen im Sexuellen aber auch drumherum Probleme macht und was sie sich anders wünschen, wird eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Es wird gefor- S t u d i e : S e x u e l l e „ P r o b l e m e “ u n d
dert, dass „sexuelle Reaktionen besser messbar B e z i e h u n g s z u f r i e d e n h e i t
gemacht werden müssten und die Forschung in die- Aspekte der Medikalisierung sexueller (Un-) Zu-
sem Sinne intensiviert werden sollte“. „Männliche“ friedenheit von Frauen
und „weibliche“ Sexualität werden bei einem solchen v o n S i l j a M a t t h i e s e n u n d M a r g r e t H a u c h Vorgehen gnadenlos parallelisiert und auf sexual-physiologisches Funktionieren reduziert, und zwar Ausgangsüberlegungen: Diagnose Funktionsstö-
umso heftiger, je mehr sich weibliches sexuelles Be- rung als Grund für die Medikalisierung weiblicher
gehren dem bei Männern „bewährten“ Herangehen Sexualität
In der Debatte um „Viagra“ und seine Konkurrenten Fragestellung: Sexuelle Unzufriedenheit und ihre
wird Sexualität als ein Lebensbereich konstruiert, der Bedeutung für Beziehungen
auf medizinische Interventionen und medikamentöse Auf der Grundlage von Daten der Studie „Bezie- Unterstützung angewiesen ist. Entscheidende Ak- hungsbiographien im sozialen Wandel“, die unter teure in diesem Prozess sind die Pharmaindustrie Leitung von Professor Gunter Schmidt am Institut für und die Medien aber auch die Sexualwissenschaft. Sexualforschung und Forensische Psychiatrie der Nachdem sich Potenzmittel für Männer, zumindest in Universität Hamburg durchgeführt wurde4 soll disku- den USA , als „Blockbuster“2 erwiesen haben, über- tiert werden, in welchem Umfang sexuelle Klagen rascht es nicht, dass die Pharmaindustrie ein Inte- von den Frauen und Männern in der Studie geäußert resse daran hat, die Marktchancen für vergleichbare wurden und welche Bedeutung ihnen im Hinblick auf Medikamente bei Frauen auszuloten. Seit Ende der sexuelle Zufriedenheit und Beziehungszufriedenheit neunziger Jahre hat sich eine heftige Debatte um „weibliche Sexualität“ entwickelt, in der amerikani-sche UrologInnen eine entscheidende Rolle spielen. Ergebnis: Nur 10% leiden wirklich unter sexuellen
Dies ist eine erstaunliche Entwicklung, gelten doch Problemen
hierzulande Urologen nicht wirklich als Experten für Die Datenanalyse bestätigte, dass eine vorschnelle weibliche Sexualität. Sie wird aber verständlicher, Gleichsetzung von sexuellen Klagen mit klinisch rele- wenn man bedenkt, dass die Diskussionen und Ini- vanten sexuellen Funktionsstörungen, die einer pro- tiativen massiv von der amerikanischen Pharmain- fessionellen Behandlung bedürfen, nicht zulässig ist. dustrie gesponsert werden. Man musste nämlich Die Frage nach dem persönlichen Leidensdruck re- feststellen, dass die Effektivität von Medikamenten im duziert ein hohes Vorkommen sexueller Probleme in Hinblick auf die Frauen keineswegs überzeugend der Bevölkerung von über 40% auf das seriöse Maß war3. Es ging in der Folge aber nicht um weibliche von etwa 10% . Sexuelle Erfahrungen, wie mal keine Sexualität sondern „ausschließlich um ein genau Lust auf Sex haben, mal nicht so richtig erregt wer- festgelegtes sexuelles Funktionieren bei heterose- den oder auch mal keine Erektion und/oder Orgas- xuellem Geschlechtsverkehr“ (Richter-Appelt 2000). mus bekommen, gehören für die befragten Frauen und Männer zum sexuellen Alltag und haben keinen 1 Stark gekürzte Fassung eines Aufsatzes in Familiendynamik, 29. bedeutsamen Einfluss auf ihr Beziehungsglück. Nur Jahrgang, Heft 2, April 2004, 139-160 für die Minderheit derjenigen, die unter sexuellen 2 Blockbuster sind Pharmazeutika, die im Jahr mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz erwirtschaften. Im Frühsommer 2002 wurden 776 Hamburger und Leipziger Eine umfassende Zusammenfassung des Forschungsstandes Frauen und Männer der Geburtsjahrgänge 1942, 1957 und 1972 zur Behandlung sexueller Dysfunktionen von Männern mit befragt. In face-to-face-Interviews wurde nach den Beziehungs- Sildenafil („Viagra“) bietet der Aufsatz von Volkmar Sigusch und Sexualbiographien, Zufriedenheit, Arbeitsteilung, Leben mit (2001). Die Behandlungsergebnisse bei Frauen werden im Kindern, Perspektiven, Beziehungs- und sexuellen Problemen, Unterkapitel „Fehlanzeige“ resümiert. Auf der englischsprachigen Sexualverhalten, Außenbeziehungen, Trennungserfahrungen und Webseite www.fsd-alert.org werden aktuelle Entwicklungen pro familia Bundesverband, Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt am Main, Tel. 069/639002, www.profamilia.de
Schwierigkeiten stark oder sehr stark leiden, kann Vor diesem Hintergrund ist zu klären, ob und in wel- man von einer deutlichen Beeinträchtigung der Be- chem Umfang zusätzlicher Qualifikationsbedarf der ziehungszufriedenheit und der sexuellen Zufrieden- Fachkräfte besteht, die Frauen und Paare bei der Entscheidung für oder gegen pränataldiagnostische Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass im Hin- Maßnahmen bzw. für oder gegen eine assistierte blick auf das Thema Lustlosigkeit sehr unterschied- Reproduktion beraten und in einem entsprechenden liche Faktoren zum Tragen kommen. Gerade bei Prozess begleiten. Vor allem besteht der Wunsch jungen Frauen kann wahrscheinlich häufig davon nach Klärung, welche Position pro familia als Ver- ausgegangen werden, dass es sich angesichts viel- band in diesem Spannungsfeld künftig vertreten will. fältiger Belastungen bei „zuwenig Lust auf Sex“ um Die ethische Dimension in Fragen der Reproduk- eine adaptive Reaktion, d.h. um eine sinnvolle An- tionsmedizin ist letztlich nicht losgelöst von den kon- passung an bestimmte Lebensumstände und gerade kreten Lebenssituationen betroffener Frauen, von nicht um eine Dysfunktion, handelt. Professionelle HelferInnen, an die sich Frauen mit diesem Selbstla- Vorträge von: Dr. Dorothee Kleinschmidt (pro familia, beling wenden, sind gut beraten, sich zunächst ein Bochum), Prof. Dr. Hartmut Kreß, (Universität Bonn), genaues Bild von der jeweils individuellen Situation Prof. Dr. Monika Frommel, (Universität Kiel), Dr. zu verschaffen. So lässt sich verhindern, dass aus Tewes Wischmann (Universität Heidelberg). Angst, die Behandlung des Themas Sexualität Programm und Anmeldeunterlagen unter konnte den eigenen Kompetenzrahmen sprengen, vorschnell eine behandlungsbedürftige sexuelle S c h w a n g e r s c h a f t s a b b r ü c h e 2 0 0 4
Funktionsstörung diagnostiziert wird. Es wäre hilf- Eine Übersicht über die aktuellen Zahlen findet sich reich, sowohl in zukünftigen Befragungen als auch in in der aktuellen Ausgabe von Projektkoordination diagnostischen Gesprächen nach sexuellen aktuell 1/2005. www.profamilia.de Extranet Erfahrungen zu fragen und auf den negativ werten-den Begriff „Problem“ zunächst zu verzichten. Auf G e n i t a l e V e r s t ü m m e l u n g – 3 0 . 0 0 0
diese Weise ließe sich der herrschende Sexualitäts- F r a u e n i n D e u t s c h l a n d b e t r o f f e n
diskurs mit seinen implizierten Vorgaben über „richti-ges sexuelles Funktionieren“ (gelungener Sex mün- Broschüren in sechs Sprachen bei Terre des
det in den Orgasmus) und seinen Erlebnisimperati- ven (Lust auf Sex ist gut) vielleicht ein wenig auf- In Deutschland leben mindestens 24.000 von Geni- talverstümmelung betroffene Frauen und etwa 6.000 gefährdete Mädchen. Terre des Femmes und das Literatur: Richter-Appelt, H. (2000): Sexuelle Funktionsstörungen und Kinderhilfswerk der UN (UNICEF) kündigen für An- weibliche Sexualität. Anmerkungen zur aktuellen Debatte. fang April eine Studie zur Situation betroffener Zeitschrift für Sexualforschung 13: 243-251 Frauen und Mädchen in Deutschland an, die sie mit Sigusch, V. (2001): Sildenafil (Viagra ®): Wirkmechanismus und dem Berufsverband der GynäkologInnen durchführen erste Ergebnisse. In: V. Sigusch (Hg.): Sexuelle Störungen und ihre Behanldung. 3. überarb. und erw. Auflage, Stuttgart, (Thieme). wollen. Terre des Femmes bietet eine Broschüre "Wir Schmidt, G., J.v. Stritzky (2004): Beziehungsbiographien im schützen unsere Töchter" in den Sprachen Deutsch, sozialen Wandel. Ein Vergleich dreier Generationen. Englisch, Französisch, Somali, Kiswahili, Arabisch. Bestellungen unter: www.terre-des-femmes.de. Dort Schmidt, G. et al. (2003): Beziehungsbiographien im sozialen Wandel. Ein Bericht über erste Ergebnisse für die befragten finden sich außerdem Fachtexte zur Genitalver- Frauen und Männer ( www.beziehungsbiographien.de) stümmelung, Materialien für LehrerInnen und SchülerInnen, Links und Adressen von Beratungs- A u s d e m B u n d e s v e r b a n d
stellen für Afrikanerinnen in Berlin, Düsseldorf, Reproduktionsmedizin – Fachtagung
Am 21. Mai 2005 findet in Erfurt die Fachtagung „Re- produktionsmedizin – Ethik, Beratung, Recht“ statt. P a r i t ä t i s c h e r G e s a m t v e r b a n d
Das Recht einer Frau / eines Paares auf eine mögli- che assistierte Reproduktion bei ungewollter Kinder- F a c h t a g u n g - M i g r a t i o n s a r b e i t
losigkeit gerät in den ethischen Auseinander- Migrationsarbeit als Motor interkultureller Öffnungs- setzungen um den „Schutz des Embryo“ immer wie- prozesse in Regeleinrichtungen – Anforderungen, der aus dem Blickwinkel. Es scheint, als verschwin- Beispiele, Methoden. Veranstalter: Paritätischer den hinter dem Embryo „in vitro“ und den komplexen Wohlfahrtsverband, 10./11. Mai 2005, Haus der Pa- Zusammenhängen, die die Reproduktionsmedizin rität, Frankfurt am Main. Tel.: 030/24636-427 und ihre Folgen mit sich bringen, die Frau / das Paar mit ihrem Kinderwunsch. Impressum: pro familia-Bundesverband, Stresemannallee 3, 60596 Frankfurt am Main, Tel.: (069) 63 90 02.
www.profamilia. de. Kontakt: sigrid.weiser@profamilia.de Der pro familia-Bundesverband e.V. wird vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Source: http://www.profamilia.de/fileadmin/dateien/fachpersonal/spin0501.pdf

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