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Informationsdienst SHLV
Schweizerischer Heiligland-Verein
Solidarität mit den Brüdern und Schwestern in den Ländern christlichen Ursprungs Hans Rahm und Jakob Hertach, Boulevard de Pérolles 18A, CH-1700 Fribourg Unruhen auf Jerusalemer Tempelberg
Editorial
Auf dem Jerusalemer Tempelberg kam es Ende Februar zu Unruhen. Die israelische Polizei stürmte den Platz Lieber Leser, lieber Leserin
vor dem Felsendom, weil palästinensische Jugendliche Steine auf Touristen geworfen hatten. Jugendliche hat- Die Berichte in den Medien der vergangenen Tage und ten auf Gerüchte reagiert, dass der Tempelberg während Monate beschäft igten sich vor allem mit den Übergriff - des jüdischen Festes Purim von jüdischen Siedlern ein- skandalen in Irland und Deutschland. Die Situation in genommen werden soll. Daraufh in hat die muslimische den Ursprungsländern des Christentums war weniger Verwaltung des Heiligtums via Minarett-Lautsprecher die Muslime zur Verteidigung der El-Aksa-Moschee und Eben hat die Schweizerische Depeschenagentur (sda) gemeldet, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Neta- Der Hügel mit dem Felsendom und der El-Aksa-Mo- nyahu den Abriss von 22 Häusern im arabischen Ostteil schee ist für Muslime das dritthöchste Heiligtum. Hier Jerusalems vorerst gestoppt habe. Die Stadtregierung soll der Prophet Mohammed eine visionäre Fahrt in den von Jerusalem plante nach dem Abriss der Häuser, ei- Himmel erlebt haben. Am Fuss des Hügels liegt die von nen Bibelpark zu errichten. Vor 3000 Jahren sollen an Juden verehrte Klagemauer, der Rest des unter römischer dieser Stelle König Salomo das «Hohelied» und König Herrschaft zerstörten herodianischen Tempels. An Pu- David die «Psalmen» geschrieben haben. Auf Grund rim feiern Juden den Sieg der biblischen Königin Esther der angeheizten Stimmung zwischen Israelis und Paläs- über die Ungläubigen. Kinder und viele Erwachsene ver- tinensern stoppte der Ministerpräsident das Projekt. Es kleiden sich und feiern unter anderem farbenfrohe Got- würden neue Krawalle und Ausschreitungen befürchtet. Die nebenstehenden Artikel «Mit Bibel und Schaufel» Seit der Amtsübernahme der Regierung Benjamin Ne- und «Unruhen auf dem Tempelberg» behandeln ein tanyahu wurde die Siedlerbewegung stärker. Palästinen- ser befürchten, dass auch von national-religiösen Juden Die Diskussion rund um die Minarettabstimmung hat reklamierte biblische Orte wie der Tempelberg wieder Bischof Kurt Koch zum Anlass genommen, um über die unter israelische Kontrolle kommen könnten. Situation in unserer Schweizer Kirche nachzudenken. Einen erfreulichen Ansatz in der Kirche ist das Gottes- Mit Bibel und Schaufel
dienstangebot für eine «inexistente Gruppe» (Seite 2). In Jerusalem haben Forscher angeblich Reste der Stadt von König Salomo gefunden. Israelische Archäologen legten Reste einer Stadtmauer frei. Sie könnte im zehn- ten Jahrhundert vor Christus errichtet worden sein. Der Zweifel werfen die Missbrauchs-Vorwürfe aus Bildungs- rund 70 Meter lange und 6 Meter hohe Abschnitt wurde anstalten und Kirchen auf. Oft stammen die angeblichen zwischen den Ausgrabungen der Stadt Davids und dem Vorwürfe aus den 50er bis 70er Jahren. Die Opfer hätten Fuss des Tempelbergs gefunden. Ausser der Mauer fan- Recht auf Aufk lärung, sagte der Deutsche Bischof Ste- den die Archäologen Reste eines Pförtnerhauses, eines königlichen Bauwerks, sowie eines Eckturms, von dem Off en gelassen hat er jedoch die Frage: Was ist zu tun, aus das angrenzende Kidrontal überblickt werden konn- dass zu Unrecht Angeschuldigte nicht ein Leben lang te. Es wurden auch über ein Meter grosse Vorratskrüge büssen müssen? Off en gelassen hat die Kirchenleitung entdeckt. Eine hebräische Inschrift bezeuge, dass sie ei- die Frage: Müsste sie nicht vertieft über den Zölibat nem höheren Beamten gehörten, heisst es. Auf einzelnen nachdenken? Was bei der Einführung im 11. Jahrhun- Griff en fänden sich Siegel-Abdrücke mit dem Schrift zug dert richtig war - Schutz der Kirchengüter - kann heute falsch sein. Die Vorschrift en im Kirchenrecht haben ja Die Archäologin Eilat Mazar ist umstritten. Laut eige- nen Aussagen arbeitet sie «mit der Bibel in der einen und der Schaufel in der anderen Hand». Für Aufsehen Jakob Hertach
sorgte 2005 ihre Entdeckung von Mauerresten, die sie als Palast des biblischen Königs David identifi zierte. Die Existenz von König David gilt bis heute archäologisch als nicht bewiesen.
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März 2010
Sorge um Christen im Nahen Osten
150 ranghohe Politiker und Kirchenführer des Nahen Ostens haben sich besorgt über die wachsende Abwan- Gottesdienstangebot für
derung von Christen aus dieser Region geäussert. Der eine «inexistente» Gruppe
Beitrag der Christen für die arabische Gesellschaft sei Der neue Gottesdienstzyklus «carpedeum», der jeden unersetzlich, erklärte der libanesische Informationsmi- Sonntagabend in Berns reformierter Nydeggkirche statt- nister Tarek Mitri während einer internationalen Konfe- fi ndet, will für junge Erwachsene ein Ort der persönli- renz der katholischen Basisgemeinschaft Sant'Egidio im chen Refl exion und der Auseinandersetzung mit dem Februar in Rom. Dieser Verlust werde auch Muslimen Glauben sein. Angesprochen sind vor allem die 18- bis verstärkt bewusst, sagte der griechisch-orthodoxe Poli- 30-Jährigen; sie können den Gottesdienst nach Neigung und Talent selber mitgestalten. Die evangelische Th Der Franziskaner-Obere für das Heilige Land, Pierbat- logie-Studentin Magdalena Ehrensperger, der katholi- tista Pizzaballa, hob ebenfalls den «enormen kulturel- len Beitrag» der Christen im Nahen Osten hervor. Eine Initiant des Projektes, sowie die reformierte Pfarrerin Schwächung dieser Bevölkerungsgruppe führe zu einer Judith Pörksen bieten die Gottesdienste jeden Sonntag- «enormen Verarmung» der Region. Die Annahme, dass abend an. Es gibt kaum vergleichbare Angebote. Taizé es bald keine Christen mehr im Nahen Osten geben wer- ist bisher die einzige Gottesdienstform, die vor allem die de, ist jedoch nach Pizzaballas Worten ein «Mythos». 18- bis 30-Jährigen anspricht. Sonst ist die Seelsorge für Es werde zwar in Zukunft weniger Christen in der Re- dieses Alter in den Kirchen nahezu «inexistent». Auf gion geben, aber ihre Zahl sei heute nicht geringer als vor der reformierten Seite gibt es bis zur Konfi rmation mit 60 Jahren, führte der Franziskaner aus.
16 Jahren ein Angebot, das junge Erwachsene auch er- Der irakische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, warf reicht. Danach wandern viele, die auf der Suche seien, der westlichen Welt fehlende Unterstützung der christ- ab. Der Dreischritt von «Bibeltext, Dialog und Stille» lichen Gemeinden im Nahen Osten vor. Diese fühlten bildet das liturgische Grundgerüst.
sich «vergessen», sagte der chaldäische Kirchenführer. Die Stille fehle im Studien- oder Berufsalltag meistens. Es gebe kaum Zukunft saussichten für Christen in sei- Gott sei im Anderen und auch in mir selbst immer auf nem Land, weil die Kirche eine schwache Stellung habe. ganz unbegreifl iche, nicht bis ins Letzte erklärbare Wei- Sako forderte eine rechtliche Gleichbehandlung von Christen und Muslimen. Der Präsident der Gemeinschaft Sant'Egidio, Marco Das Zitat
Impagliazzo, wies darauf hin, dass der Nahe Osten auch zu einem «Modell» werden könnte. Diese Region dürfe «Keine Kultur oder Tradition ist statisch. Es ist ein Ge- nicht nur als Problem betrachtet werden, sagte Impag- ben und Nehmen. Ich empfange etwas von der Schweizer Kultur, aber jetzt bin ich Schweizer und bringe als Mus-lim auch etwas ein. Indem ich mich integriere, verändere Streit um israelische Pläne
ich gleichzeitig die Kultur, in die ich mich integriere. Da- für Kulturstätten im Westjordanland
rauf hat auch der amerikanische Präsident Barack Obama Israels Regierung hatte im Februar beschlossen, die Pa- angespielt, als er in seiner Rede in Kairo eine Botschaft triarchengräber in Hebron sowie das Rachelsgrab in an die amerikanischen Muslime sandte. Er erklärte, der Bethlehem in einen Plan zur Konservierung nationalen Islam sei Teil der amerikanischen Kultur. Genauso ist Erbes einzuschliessen. Beide Grabstätten liegen auf is- der Islam Teil der Schweizer Kultur: Der Islam ist auch raelisch kontrollierten Enklaven mitten in palästinensi- eine Schweizer Religion. Das bedeutet nicht, dass wir die schem Gebiet. Insgesamt umfasst der Plan 150 archäolo- Wurzeln der Schweiz verändern, wir fügen ihren Quali- gische Stätten, die mit umgerechnet rund 114 Millionen Der Schweizer Islamwissenschaft ler Tariq Ramadan Die Vereinten Nationen äusserten sich besorgt. Die über die Situation der Muslime in der Schweiz. (Tages- Stätten seien auch für den Islam und das Christentum von historischer und religiöser Bedeutung, erklärte der UN-Sonderbeauft ragte für Nahost, Robert Serry. Der Handlungsoptionen gegen
Jerusalemer Grossmuft i Mohammed Hussein bezeich- Hassprediger und Scharia
nete die Pläne als Versuch, «islamische heilige Stätten in Kathrin Amacker-Amann (CVP/BL) verlangt in einem Jerusalem, Hebron und Palästina zu stehlen und ihren islamischen Charakter zu vertuschen». In dem Hebro- geographische Verteilung von Hasspredigern, Scharia- ner Heiligtum, das in eine Moschee und eine Synagoge Recht, Zwangsehen, Mädchenbeschneidungen, Verhül- aufgeteilt ist, verehren Juden, Christen und Muslime die lungszwang und Dispensationen von schulischen Ange- Gräber der biblischen Gestalten Abraham, Sara, Isaak, boten» berücksichtigen soll. Der Bundesrat erklärt sich Rebekka, Jakob und Lea. Im Rachelsgrab in Bethlehem bereit, einen entsprechenden Bericht zu erarbeiten. soll eine der Frauen Jakobs begraben sein.
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März 2010
«Jüdische Studien» neu an Uni Zürich
Orthodoxe Kirchen
An der Universität Zürich begann am 22. Februar die neue Gastprofessur «Jüdische Studien». Die Sigi-Feigel- Inthronisierung des
Gastprofessur für jüdische Studien befasst sich mit For- serbischen Patriarchen Irinej verschoben
Die Inthronisierung des serbisch-orthodoxen Patriar- und Kultur, Ethik und Philosophie. In jedem Frühlings- chen Irinej (Gavrilovic) im Patriarchatskloster von Pec semester hält ein anderer Gastprofessor oder eine Gast- im Kosovo wurde auf den Herbst verschoben. Für die professorin eine Vorlesung. Wer nach Zürich gerufen Verschiebung waren allein organisatorische Gründe ausschlaggebend: Am 25. April, dem ursprünglichen nach Spezialisierung werden die Dozierenden die inhalt- Datum der Inthronisation, beginnt die nächste Sitzung lichen Schwerpunkte unterschiedlich legen. Den ersten der serbisch-orthodoxen Bischofskonferenz. Patriarch Zyklus hält Myriam Bienenstock, Professorin für jüdi- Irinej wurde am 22. Januar gewählt und am Folgetag in sche Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts an der der Belgrader Kathedrale liturgisch in sein neues Amt Université François Rabelais im französischen Tours. eingeführt. Der traditionelle Sitz der Oberhäupter der serbischen Orthodoxie ist seit dem Mittelalter im Pa- gewählt. Angegliedert ist die Gastprofessur dem Reli- triarchatskloster von Pec. Seine Diözese ist der Gross- gionswissenschaft lichen Seminar. Den Organisationen raum Belgrad. Das Kosovo-Metohija gehört zwar der «Stift ung gegen Rassismus und Antisemitismus» und Diözese Raska-Prizren an, das Kloster von Pec steht je- die «Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz» ge- doch unter der direkten Jurisdiktion des serbischen Pa- lang es, die Unterstützung für die ersten zehn Jahre zu sichern, wie die Universität mitteilt.
Patriarch von Konstantinopel ist 70
Bundesrätin traf sich mit Muslim-Vertretern
Papst Benedikt XVI. hat dem Ökumenischen Patriar- Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf traf im Februar chen von Konstantinopel, Bartholomaios I., zum 70. 17 Vertreter von islamischen Organisationen zu einem Geburtstag gratuliert. Der Papst äusserte sich zuversicht- Gespräch. Diskutiert wurde die Frage der Wirkung der lich, dass beide Kirchen den Weg zu einer vollständigen bisherigen auf sozio-kulturelle Bedingungen ausgerich- Gemeinschaft mit Gottes Hilfe fortsetzen. teten Integrationsmassnahmen. Auch die Frage, wie das Bartholomaios hat mehrmals den Vatikan besucht. Er Verständnis der in der Schweiz niedergelassenen Musli- wurde am 29. Februar 1940 als Dimitrios Archondonis me für die schweizerischen staats- und gesellschaft spoli- auf einer Insel in der Ägäis geboren. 1973 wurde er zum tischen Institutionen und Traditionen gestärkt werden Metropoliten des alten Bischofssitzes von Philadelphia gewählt. Als Metropolit von Chalcedon wurde Bartho- ge, wie die Kenntnisse der Schweizer Bevölkerung über lomaios 1990 ranghöchster Metropolit der Heiligen Sy- den Islam und die islamischen Gemeinschaft en in der node und leitete mehrere Kommissionen. Er war zustän- Schweiz verbessert werden können. Dieser Dialog mit dig für die Ökumene und das Kirchenrecht. 1991 wurde den Vertretern islamischer Organisationen wird weiter- er zum «Ökumenischen Patriarchen» gewählt. Er trägt diesen Titel als 270. Nachfolger des Apostels Andreas und ist somit Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie.
«Streitfragen der Th
eologie»
Die türkischen Behörden anerkennen weder den Titel des Ökumenischen Patriarchen noch die Aufgaben des teiligen Gesprächsreihe, die SF 1 in der Sendung «Stern- Patriarchates für die gesamte Orthodoxie. Sie sehen in stunde Religion» ab 28. März ausstrahlt. Bartholomaios I. lediglich den obersten Seelsorger der wenigen tausend in der Türkei verbliebenen griechisch- Praetorius und dem Basler Bischof Kurt Koch (28. März). Der Th eologe Eugen Drewermann gibt Auskunft über Jahrestag der Christianisierung
Himmel, Hölle, Reinkarnation und das grosse Nichts wird Feiertag in Russland
(4. April). Der «uralten Frage der Menschheit», warum Russlands Regierung will den Jahrestag der Christiani- Gott Leid zulässt, stellt sich am 5. April der Th sierung des Landes zum gesetzlichen Feiertag erklären. Perry Schmidt-Leukel. Über «religiöse Erfahrung oder Der 28. Juli soll ab kommendem Jahr als «Tag der Taufe Hirngespinst» diskutieren schliesslich die Th Christina Aus der Au und der Neuropsychologe Peter Der Kiewer Grossfürst Wladimir hatte sich am 28. Juli 988 nach byzantinischem Ritus taufen lassen und das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Hinweis: In Schweizerischen Kirchenzeitung 05/2010 Heute bezeichnen sich Umfragen zufolge fast drei Vier- ist eine bedenkenswerte Analyse nach der Minarett- tel der 142 Millionen Einwohner Russlands als ortho- initiative von Bischof Kurt Koch zulesen.
dox. Allerdings gehen nur drei Prozent der Bevölkerung
regelmässig zum Sonntagsgottesdienst.
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März 2010
Weltkirche
sexuellen Missbrauch eingegangen. Die dabei bekanntge-machten Vorfälle reichen von persönlichen Missbrauchs- Vatikan und Muslime plädieren für religiöse
Erfahrungen bis zu Schilderungen über Gehörtes oder Gleichberechtigung
Gesehenes. Die meisten Anrufe betrafen demnach die Hohe Vertreter des Vatikan und des Islam haben gemein- Zeit der 50er bis 70er Jahre. Die Anlaufstelle nimmt sam zum Kampf gegen jede religiöse Diskriminierung sämtliche Meldungen ernst und kontaktiert alle, die aufgerufen. Gerechte Gesetze müssten eine grundsätzli- sich gemeldet haben. In der vergangenen Woche war der che Gleichheit der Glaubensgemeinschaft en garantieren, Salesianer-Orden in den Niederlanden wegen möglicher erklärten der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dia- Missbrauchsfälle in die Schlagzeilen geraten. Die Vorfäl- log und ein Komitee der Kairoer Al-Azhar-Universität.
le sollen sich in den 60er und 70er Jahren in einem Inter- Auch in Schulen, Kirchen und Moscheen gelte es eine nat in der Nähe von Mimwegen zugetragen haben.
Kultur des Respekts und einen «Geist der Brüderlich-keit» zu fördern, heisst es im Schlussdokument der Ge- Opfer haben Recht auf Aufk lärung
Die katholischen deutschen Bischöfe wollen alles ihnen Beide Delegationen sprachen sich für eine Überprüfung Mögliche tun, um Fälle sexuellen Missbrauchs in der der Darstellung von Christentum und Islam im Schul- Kirche aufzuklären. Das betonte der neue Missbrauchs- unterricht aus. Es gelte sicherzustellen, dass es dort keine Beauft ragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Verweise auf historische Ereignisse gebe, die «direkt oder Stephan Ackermann, Ende Februar. Ausdrücklich be- indirekt eine gewaltsame Haltung unter den Anhängern grüsste Ackermann, dass durch die in den letzten Wo- der verschiedenen Religionen erregen» könnten. Weiter chen hergestellte Öff entlichkeit in Sachen Missbrauch verlangten die Vertreter von Vatikan und Al-Azhar Wi- in der Kirche viele Opfer Mut gefasst hätten, sich zu derstand gegen «Angriff e gegen die Religionen seitens melden. Als Missbrauchs-Beauft ragter will er nach ei- der Medien» und gegen jegliche Versuche, Spannungen genem Bekunden auch deutlich machen, dass es kei- und Konfl ikte zwischen den Glaubensgemeinschaft en nen Grund gebe, die Kirche, die Priester sowie andere kirchliche Mitarbeiter unter einen Generalverdacht zu stellen. Der gute Ruf der Kirche sei beschädigt, er müsse Menschenrechtsgerichtshof
wiederhergestellt werden. Ackermann warnte vor einer verhandelt Kruzifi x-Urteil neu
«Verdachtsoptik». Seelsorge brauche einen Raum des Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof wird über Vertrauens. Er stellte auch klar, dass die Kirche die Ko- das umstrittene Kruzifi x-Urteil vor einer Grossen Kam- operation mit den Staatsanwaltschaft en suche.
mer neu verhandeln. Ein aus fünf Richtern bestehendes Zu seinen Aufgaben als Missbrauchs-Beauft ragter gehört Gremium billigte die Überweisung des Falls an eine aus laut Ackermann die Überprüfung der kirchlichen Leitli- 17 Richtern bestehende Grosse Kammer. Italien hatte nien aus dem Jahr 2002. Als weitere Punkte nannte der Ende Januar gegen die Entscheidung zum Verbot von Bischof das Gespräch mit Experten und Initiativen in Kruzifi xen in italienischen Klassenzimmern Wider- der Zivilgesellschaft , etwa dem Kinderschutzbund, so- spruch eingelegt. Gegen die Entscheidung der 17 Richter wie mit den Verantwortlichen in der Priesterausbildung, ist kein Einspruch mehr möglich. Wann das Urteil der das Bemühen um eine stärkere Vernetzung der Bischö- Grossen Kammer ergeht, ist off en. Das Verfahren wird fe und die Dokumentation von Daten und Fakten. Als in jedem Fall mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Missbrauchs-Beauft ragter, so Ackermann, sei er kein «Oberermittler». Vielmehr versuche er, die Dinge zu Europäer für Burkaverbot
koordinieren. In seiner Arbeit soll der Trierer Bischof In den EU-Staaten, allen voran Frankreich, sind die von einem Büro unterstützt werden, das im Sekretariat Mehrheiten für ein Verbot des den ganzen Körper ver- der Bischofskonferenz in Bonn eingerichtet wird.
hüllenden islamischen Kleidungsstücks gross, berichte-te die «Financial Times» am Dienstag, 2. März. Nach Küng gibt Rom Mitschuld an Skandalen
der von ihr in Auft rag gegebenen Umfrage plädierten 70 Prozent der Franzosen für ein Burkaverbot, 65 Prozent eine Mitverantwortung bei den Missbrauchsskandalen waren in Spanien und 63 Prozent in Italien dafür. Auch in der katholischen Kirche in Irland und Deutschland in Grossbritannien plädierten 57 Prozent der Befragten zugesprochen. Die Glaubenskongregation, die 20 Jahre für ein Verbot. Die Hälft e der Deutschen ist einer Um- vom heutigen Papst Benedikt XVI. geleitet worden sei, frage zufolge für ein Burkaverbot.Dagegen fi ndet laut bearbeite diese Fälle zentral und wisse sie sehr gut zu ver- «Financial Times» ein Burkaverbot in anderen Erdtei- tuschen, sagte Küng in einem Interview.
Küng erklärte, die Bischöfe, die solche Verbrechen ge-deckt hätten, seien ebenso schuldig wie die Priester, die Missbrauchs-Meldungen in den
unter dem Zwang des Zölibats nicht immer auf normale Niederlanden
Weise mit der Eigendynamik der Sexualität umgehen Bei der katholische Kirche in den Niederlanden sind seit könnten. Küng (81), nahm am Zweiten Vatikanischen einem Aufruf insgesamt 34 Meldungen über möglichen Konzil (1962-1965) teil und galt als Reformer.
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«Islam in Deutschland
wird ein neues Gesicht bekommen»

Eine wenig bekannte Seite des Islam
«Der Islam in Deutschland wird ein neues Gesicht be- Rumi lebte im 13. Jahrhundert und ist ein Klassiker der kommen», prophezeit Bülent Ucar. Der Professor für islamischen Mystik. Farsin Banki zeigte im Bildungs- islamische Religionspädagogik an der Universität Os- haus Schönbrunn eine hierzulande wenig bekannte Seite nabrück meint einen Islam, der in Zukunft durch Th logen vertreten wird, die nach deutschen akademischen Die verschiedenen Wege der islamischen Mystik lassen Standards ausgebildet sind. Akademischer Vorreiter will sich nach Banki in zwei Hauptrichtungen zusammen- fassen: Sokr und Sahw. Die Sokr-Mystik betont das Ge- Ein ungelöstes Problem bleibt allerdings: auf islamischer fühl, die Erfahrung der Gottesgegenwart. Diese kann Seite steht weiterhin kein Ansprechpartner zur Verfü- auch ekstatisch sein, ist verwandt mit hinduistischer und gung, der im Sinne einer Religionsgemeinschaft nach buddhistischer Mystik. Sokr-Mystiker wie etwa Rumi drücken sich in einer eher einfacheren Sprache aus und Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin der Univer- verwenden Bilder und Gleichnisse. Die Sahw-Mystik baut auf das rationale Denken und ist intellektuell aus- im Blick: Einerseits Imame, die ehrenamtlich oder ne- gerichtet. Sahw-Mystiker wie Ibn Arabi diff erenzieren benberufl ich tätig sind, während sie in einem anderen stark und benützen eine «Fachsprache», die nicht leicht Beruf ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie kennen die Lebensverhältnisse ihrer Gemeindemitglieder, doch Die Geschichte der islamischen Mystik ist ein ständiger fehlt es ihnen an Fachkenntnissen auf akademischem Streit zwischen den beiden Strömungen. Aber, und das ist für den Sufi -Mystiker Farsin Banki wichtig: «Beide Die andere Gruppe wurde vom türkischen Staat zur Strömungen schöpfen aus der gleichen Quelle, die alle Betreuung der Diaspora-Gemeinden geschickt. Sie sind Mystiker als ‹Liebe› bezeichnen.» Sie kennen sich auch fachlich gut ausgebildet, doch sprechen sie oft kein gegenseitig, setzen aber einen eigenen Schwerpunkt. Ein Deutsch und fi nden schwer Zugang zur Lebenswirklich- Ausspruch aus der Mystik sagt: «Es gibt so viele Wege, wie es Seelen gibt.»Rumi, 1207-1273, ist «der» Klassiker der islamischen Vertrag mit dem zuständigen Bundesamt
Mystik. Sein voller Name lautet Maulana Dschelalad- «Wir haben einen Vertrag mit dem Bundesamt für din Rumi, im Iran kurz Maulana genannt. Wie Maula- Migration und Flüchtlinge abgeschlossen», erklärt der na und andere Mystiker denken und das Leben deuten, niedersächsische Innen- und Integrationsminister Uwe lässt sich am besten mit ihren Geschichten und Gedich- Schünemann. Durch diese Ko-Finanzierung sei es mög- ten aufzeigen - Maulana selber hat rund 70 000 Verse lich, den türkischen Imamen zuerst die deutsche Sprache geschrieben, 20 000 davon sind längere Geschichten in zu vermitteln. Weitere Inhalte sind Landeskunde, Recht gereimter Form. Wo Bilder oder Texte schwer verständ- und Politik sowie pädagogische Kenntnisse für die Ge- lich sind, hat das auch damit zu tun, dass Maulana, Ibn meindearbeit und den interkulturellen Dialog.
Arabi und andere, nicht ohne den Islam, nicht ohne den Aus dem Kurs soll ein Wörterbuch hervorgehen, das deutschsprachige Begriff e für Gegenstände und Ideen Eine weitere Dimension islamischer Mystik hat das Ein- aus der islamischen Religion zusammenträgt. Ab Ok- üben von zwei Sufi tänzen erleben lassen: das Sich-Bewe- tober stehen 25 Weiterbildungsplätze zur Verfügung. gen im Hinhören auf den Rhythmus der Musik oder das «Uns liegen schon 45 Anmeldungen vor», berichtet langsame oder schnelle Drehen im Kreis. Ein Drehen an Avni Altiner, Erster Vorsitzender der Schura, des Dach- Ort um ein Zentrum, die eine Hand nach oben öff nend, verbandes von Islamvertretern in Niedersachsen.
die andere zu den Füssen, zur Erde hinweisend. Einen Die Weiterbildung ist nur ein erster Schritt. 2012 oder guten Zugang in den Sufi smus gab der grösstenteils im 2013, kündigt der Innenminister an, könnte ein «In- Iran gedrehte Kinofi lm «Bab´Aziz». Auf dem Hinter- grund der Einführung von Farsin Banki in die islami- Arbeit aufnehmen, das ein Grundlagenstudium für an- sche Mystik war der Film mit seinen Bildern und der gehende Imame und Religionslehrer anbietet. «Diesmal Musik für die Kursteilnehmenden eine Art Höhepunkt sind wir weiter und schneller als andere», kommentiert Blasberg-Kuhnke. Die Osnabrücker profi tieren von den Strukturen, die sie bereits seit 2003 im Zuge des Mo- Christen zu lebenslanger Haft verurteilt
dellprojektes eines bekenntnisorientierten islamischen In Pakistan sind zwei Christen zu lebenslanger Haft Religionsunterrichtes in Niedersachsen aufgebaut ha- verurteilt worden. Das Gericht befand sie für schuldig, ben. Seit 2007 können angehende Grund-, Haupt- und gegen den so genannten Blasphemie-Paragraphen ver- Realschullehrer hier islamische Religionspädagogik als stossen zu haben; dieser stellt die Beleidigung des isla- mischen Propheten Mohammed und des Koran unter Strafe.
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März 2010
Christenverfolgungen
Reiseangebot
Vatikansprecher besorgt
Begegnungen in einem unbekannten Land
über Lage der Christen im Irak
Pfarrer Josef Zwyssig in Buochs, Mitglied im Vorstand Vatikansprecher Federico Lombardi ist besorgt über die des Schweizerischen Heiligland-Vereins, führt zusam- Mordserie an Christen im Irak. Die örtlichen Behörden men mit «Terra Sancta Tours» vom 24. September bis seien nicht in der Lage, die Gewalt wirkungsvoll einzu- 4. Oktober 2010 eine Reise nach Syrien durch. dämmen, sagte er. Am 22. Februar erschossen Unbe- Das Reiseprogramm: Am 24. September fl iegt die Grup- kannte in der nordirakischen Stadt Mosul drei Mitglie- pe via Budapest nach Damaskus. Die beiden folgenden der der syrisch-katholischen Gemeinde - einen Vater mit Tage gehören der Besichtigung von Syriens Hauptstadt. seinen zwei Kindern - in ihrer Wohnung. In der Woche Am 27. September besucht die Reisegruppe Bosra und zuvor waren sechs Christen ermordet worden.
Suweida: die 2000 Jahre alten Basalthäuser, das Amphi- Ihm seien Flugblätter mit «schrecklichen Drohungen» theater und andere römische Bauwerke. In Hauran ist ein gezeigt worden, in denen christliche Familien aus Mosul Besuch beim Bischof geplant. Am folgenden Tag geht es aufgefordert würden, die Stadt zu verlassen, berichtete in den Anti-Libanon, wo verschiedene Bauwerke aus der der Vatikansprecher. Die jüngsten Morde an Christen ersten christlichen Zeit besucht werden. Am Mittwoch, bestätigten eine solche «systematische Strategie».
29. September, sind Besuche im Tal der Christen und im Georgskloster Homs vorgesehen. Am 7. Tag stehen vier Hass gegen christliche Gemeinde
Namen auf dem Programm: Apameia mit der 40 Meter Zugleich wies Lombardi darauf hin, dass die irakischen breiten Kolonnadenstrasse, den cordo maximus. Weiter Christen sich vollkommen in die Kultur und Geschichte Maaret-al-Nouman (Höhepunkt: Mosaiken im Muse- der Region eingefügt hätten und eine bedeutende Rol- um), Ebla und Aleppo, das Tagesziel. Den 8. und 9. Tag le darin spielten. Grund für die Gewalt gegen Christen verbringt die Gruppe in Aleppo. Im Gebiet der «Toten sei nicht der Hass gegen den Westen oder das Fremde, Städte» besucht sie das Simeonskloster. In Aleppo ist ein sondern der Hass gegen die christliche Gemeinde, sagte Besuch beim Bischof auf dem Programm sowie ein Bum- mel durch den weltberühmten Suk. Am 9. Tag geht die Ferner hob der Vatikansprecher hervor, dass Christen Fahrt über Hama nach Damaskus. «In Hama werden gegenwärtig nicht nur im Irak unter Gewalt litten, son- wir aussteigen und dem Knarren und dem brummen- dern auch in einigen Teilen Indiens sowie Pakistans und den Singsang der Wasserräder von Orontes lauschen», weiteren asiatischen und afrikanischen Staaten.
ist in der Ausschreibung zu lesen. Der letzte Tag gehört nochmals Damaskus: ein Gottesdienstbesuch, auf eigene Lebenslang für Christen-Mord
Faust die Stadt erkunden, im Suk einzukaufen oder eine Ein Gericht im ägyptischen Luxor hat kürzlich fünf Fahrt auf den Djebel Kasiun, um die Stadt aus der Vogel- Muslime zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie seien für perspektive zu betrachten. Der 11. und letzte Tag gehört den Tod zweier koptischer Christen in Oberägypten ver- dem Rückfl ug von Damaskus via Budapest nach Zürich. Der Preis für die 11-tägige Reise beträgt 2450 Franken Die beiden Kopten waren im April 2009 nach der Os- bei mindestens 15, respektive 2390 Franken bei 20 Perso- termesse durch Handfeuerwaff en getötet worden. Im nen. Dazu kommen Flughafentaxen, Treibstoff zuschläge Hintergrund des Attentats stand eine Familienfehde. und die Kosten für die Annullationsversicherung. Immer wieder kommt es in Ägypten zu Übergriff en auf Im Preis inbegriff en sind: Linienfl üge mit Verpfl egung die christliche Minderheit, so zuletzt Anfang Januar, als an Bord, Rundfahrt mit Bus, Unterkunft in Doppelzim- sechs koptischen Christen durch muslimische Attentä- mern in guten Mittelklasshotels inklusive Halbpension, Eintrittsgebühren, Taxen, Steuern, Visagebühren. Die Nach dem blutigen Anschlag im Januar auf eine kopti- Reiseführung ist in deutsch, durch örtliche Führer. sche Kirche in Ägypten hat die Polizei drei mutmass-liche Täter festgenommen. Der arabische Sender El Anmeldungen
Dschasira meldete, bei einem der Männer handele es Prospekte erhalten Sie beim Sekretariat des Schweizeri- sich womöglich um einen Verwandten des zwölfj ährigen schen Heiligland-Vereins, Luzern, Tel. 041 429 00 03; muslimischen Mädchens, dessen angebliche Vergewalti- gung durch einen Christen der Grund für das Attentat Informationen bei Pfarrer Josef Zwyssig, Dorfstrasse 28, 6374 Buochs. Telefonnummer: 041 620 37 24/620 11 Unterdessen protestierten weltweit Vertreter von Poli- tik, christlichen Kirchen und Islam gegen den Anschlag; Anmeldetermin: 30. Juni an Pfarrer Josef Zwyssig.
sie zeigten sich besorgt über die Lage der christlichen Minderheit. Bei dem Attentat im mittelägyptischen Nag Der Infobrief SHLV wird mit Hilfe des Tagesdienstes der Hammadi waren sechs koptische Gottesdienstbesucher Presseagentur Kipa erstellt und mit Informationen aus an- und ein muslimischer Wachmann erschossen worden.

Source: http://www.heiligland.ch/files/pdfs/167-03-2010.pdf

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