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Fachausschuss varizellen der deutschen vereinigung zur bekämpfung der viruskrankheiten e

Fachausschuss Varizellen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung de.
http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm Fachausschuss Varizel en der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung Ärzte-Merkblatt Varizel en/Zoster 2
Varizellen sind eine akute, hochkontagiöse Viruserkrankung, die weltweit auftritt. Subklinische Infektionen
sind selten. Eine Reaktivierung des nach der Primärinfektion latent in den spinalen und zentralen
Ganglien persistierenden Varicella-Zoster-Virus führt zum Zoster. Bei bestimmten Risikopersonen, wie
Immunsupprimierten und Patienten mit malignen Lymphomen, können Varizellen und Zoster einen
lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.
Erreger
Varizellen und Zoster werden durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) hervorgerufen. Das Virus aus der
Gruppe der Herpesviren besteht aus einem 150 bis 200 nm großen ikosaederförmigen Kapsid, in dessen
Inneren sich eine doppelsträngige DNA befindet. Dieses Nukleokapsid ist von einer Doppelmembran mit
Pseudospikes umgeben. Das Virus, von dem nur ein Serotyp bekannt ist, hat eine geringe genetische
Variabilität. Einziger Wirt ist der Mensch.
Ein charakteristisches Merkmal des VZV ist die Fähigkeit lebenslang im Organismus zu persistieren.
Latenzorte sind Neurone und Satellitenzellen von spinalen und zentralen Ganglien, in denen das Virus
für das Immunsystem „unangreifbar“ ist. Bei Reaktivierung gelangen die Viren über die peripheren Nerven
in die Haut, wo sie die typischen Zoster-Effloreszenzen auslösen.
Epidemiologie
Das VZV ist weltweit verbreitet. In den gemäßigten Klimazonen der nördlichen Hemisphäre kommt es im
Winter und Frühjahr zu Erkrankungshäufungen. Die meisten Infektionen treten bereits im frühen
Kindesalter auf. Seroepidemiologische Daten zeigen, dass die Durchseuchung mit Varizellen schon im 2.
Lebensjahr einsetzt. Im Alter von 4 bis 5 Jahren haben bereits etwa 60 Prozent der Kinder eine
VZV-Infektion durchgemacht. Die Durchseuchungsrate erhöht sich bei den 10- bis 11-Jährigen auf 94
Prozent. In den höheren Altersgruppen bis 40 Jahre bestehen Immunitätslücken von 3 bis 5 Prozent. In
den Tropen haben viele Erwachsene keine schützenden Antikörper, so dass Einwanderer und
ausländische Mitbürger, die aus diesen Gebieten stammen, gefährdet sind an Windpocken zu erkranken.
Varizellen in der Schwangerschaft sind mit 0,1 bis 0,7 Fällen pro 1.000 Schwangerschaften relativ selten.
Der Zoster tritt gehäuft bei älteren Menschen jenseits des 5. Lebensjahrzehntes auf. Man kann davon
ausgehen, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben an einem Zoster erkranken. Von 1.000
Kindern erkrankt nur eines pro Jahr.

Übertragungswege
Die Übertragung des VZV erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion, direkten Kontakt mit
virushaltiger Bläschenflüssigkeit oder Rachensekret. Eine intrauterine Übertragung ist ebenfalls möglich.
Varizellen sind hochgradig infektiös. Als Richtwert gilt, dass bei immunkompetenten Personen nach einer
länger als einstündigen Exposition eine Übertragung des Erregers wahrscheinlich ist. Bei
immuninkompetenten Personen ist dies schon nach 10-minütiger Exposition der Fall. Varizellen sind
bereits 1 bis 2 Tage vor Ausbruch der Krankheit ansteckend. Die Infektiosität besteht solange frische
Bläschen vorhanden sind, in der Regel bis zu einer Woche nach Ausbruch des Exanthems. Zoster ist
wesentlich weniger kontagiös als Varizellen.
Krankheitsbilder und Therapie

Varizellen
Fachausschuss Varizellen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung de.
http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm Die Windpocken haben eine Inkubationszeit von 14 bis 16 (8 bis 23) Tagen. Wurde Varicella-Zoster-Immunglobulin verabreicht, kann sie bis zu 28 Tagen betragen. Nach einem Prodromalstadium mit oderohne Allgemeinsymptomen, in dem sich die Viren zunächst im lymphatischen Gewebe vermehren undsich anschließend hämatogen im gesamten Organismus ausbreiten, tritt das typische juckendeVarizellenexanthem auf. Aus makulopapulösen Effloreszenzen entwickeln sich mit klarer Flüssigkeitgefüllte, linsengroße Bläschen, die nach etwa 5 Tagen eintrocknen und dann verkrusten. Durch dasAuftreten neuer Exanthemschübe innerhalb der ersten 4 Tage findet man dieverschiedenen Effloreszenzen gleichzeitig („buntes Bild“). Befallen sind vor allem Rumpf, Gesicht,Kopfhaut und die rumpfnahen Abschnitte der Extremitäten. Handflächen und Fußsohlen bleiben meistfrei. Die Schleimhäute können ebenfallsEffloreszenzen aufweisen. Die Krusten fallen nach etwa 7 bis 14 Tagen ab. ObwohlVarizellen meist einen milden Verlauf nehmen, sind schwere Erkrankungen bei immungesunden Kindernkeine Seltenheit. Besonders gefährdet für komplizierte oder gar lebensbedrohliche Erkrankungen sindaußer immunsupprimierten Patientenauch Schwangere, Jugendliche und junge Erwachsene.
Die häufigste Komplikation der Varizellen ist eine bakterielle Superinfektion der Haut. AndereKomplikationen wie Zerebellitis (gute Prognose) oder Enzephalitis, interstitielle Pneumonie (besondersSchwangere und Raucher) sowie Thrombozytopenie mit Haut- und Schleimhautblutungen nehmen mitdem Alter zu. Besonders gefährdet sind Patienten mit Immunschwäche, bei denen es zu progredientenKrankheitsverläufen mit schweren Komplikationen kommen kann. Immundefiziente Kinder mithämatologisch-onkologischen Grunderkrankungen können nach Zweitinfektionen erneut an Windpockenerkranken.
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http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm Therapie
Komplikationslose Windpocken werden rein symptomatisch mit juckreizstillenden Mitteln behandelt. Bei
Risikopatienten sollte sofort nach Auftreten der ersten Effloreszenzen die antivirale Therapie mit Aciclovir
eingeleitet werden. Aufgrund der geringen Bioverfügbarkeit (18 bis 25 Prozent) muss Aciclovir immer
ausreichend hoch dosiert werden; d. h. 3- mal 10 (- 15) mg/kg KG/Tag i. v. (maximal 2,5 g/Tag) oder in
Ausnahmefällen 4-mal 20 mg/kg KG/Tag p. o. (maximal 5 x 800 mg/Tag) über ca. 7 Tage. Außerhalb der
zugelassenen Indikation wird Aciclovir auch zur Behandlung schwerer Verlaufsformen der Varizellen bei
Schwangeren angewendet. Salicylate dürfen wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms nicht verabreicht
werden.
Prophylaxe
Varizellen können durch Impfung verhindert werden (s. Varizellenimpfung: Standard - und
Indikationsimpfung). Für Risikopatienten wird nach Varizellenexposition die passive Immunprophylaxe mit
spezifischem Immunglobulin (Varicella- Zoster-Immunglobulin, 0,5 ml/kg KG i. m. oder 1 ml/kg KG i. v.)
empfohlen. Wichtige Voraussetzung dafür ist die rechtzeitige Gabe innerhalb der ersten 72 Stunden,
maximal 96 Stunden nach Expositionsbeginn, das heißt vor Auftreten der primären Virämie. Die
Schutzrate bei immunsupprimierten Patienten beträgt etwa 90 Prozent. Kommt es dennoch zu
Durchbrüchen, was bei massiver Exposition möglich ist, verläuft die Erkrankung in der Regel mild
(mitigierte Varizellen). Die Dauer der Schutzwirkung beträgt mindestens 14, maximal 28 Tage.
Die Prophylaxe einer exponierten Person ist grundsätzlich auch mit Aciclovir möglich (Dosierung: 4-mal
10 (-20) mg/kg KG/Tag p. o. über 5 bis 7 Tage).

Zoster

Der Zoster ist die Folge einer Reaktivierung des nach der Primärinfektion latent in den Ganglien
verbleibenden VZV. Begünstigt wird dies durch Störungen der Immunabwehr im Alter oder bei
bestimmten Grunderkrankungen wie zum Beispiel bei HIV-Infektion, Hodgkin- und Non-Hodgkin-
Lymphomen, anderen malignen Erkrankungen sowie nach Knochenmarktransplantation.
Erste Symptome sind ein akuter brennender Schmerz, der über Tage anhalten kann. Innerhalb von 48
Stunden kommt es zur typischen halbseitigen, segmentalen Ausprägung der Zostereffloreszenzen, die
sich in Form eines „Halbgürtels“ gruppieren und aus unterschiedlich großen Bläschen bestehen, die
später gelblich eintrüben und nach dem Eintrocknen Krusten bilden. Am häufigsten sind thorakale
Dermatome betroffen. Mit zunehmendem Lebensalter nimmt der Befall kranialer Dermatome zu. Bei etwa
10 Prozent der Patienten kommt es zu komplizierten Krankheitsverläufen wie Zoster ophthalmicus, Zoster
oticus, Befall viszeraler Organe oder hämorrhagischen Läsionen.
Die postzosterische Neuralgie (PZN) ist mit einer Inzidenz von ca. 25 bis 30 Prozent die häufigste
Komplikation des Zoster im Erwachsenenalter. Es handelt sich dabei um dermatomale Schmerzen, die
nach Abheilung der Zostereffloreszenzen fortbestehen oder wieder auftreten und Monate bis Jahre
persistieren können.
Therapie
Die antivirale Therapie des Zoster kann bei Erwachsenen mit Aciclovir, Brivudin, Famciclovir oder
Valaciclovir durchgeführt werden (Tabelle 1). Bei einem Behandlungsbeginn innerhalb von 72 h nach
dem Auftreten der ersten Zosterläsionen werden die Bläscheneruptionen rasch gestoppt, Verkrustung
sowie Abheilung der Läsionen beschleunigt und die Häufigkeit disseminierter Erkrankungen mit Befall
innerer Organe reduziert. Außerdem ist ein günstiger Effekt auf den zosterassoziierten Schmerz
nachgewiesen. Eine zwingende Indikation für die antivirale Therapie besteht bei immungeschwächten
Patienten oder Patienten mit malignem Grundleiden. Bei schweren Krankheitsverläufen ist der
intravenösen Aciclovir-Therapie der Vorzug zu geben. Behandelt werden sollten auch alle Patienten mit
einem erhöhten PZN-Risiko, das heißt vor allem über 50-Jährige sowie solche mit mehr als 50
Zosterbläschen beziehungsweise mit hämorrhagischen Läsionen oder mit Zoster ophthalmicus und
Zoster oticus.
Die topische Anwendung von Virustatika ist nicht zu empfehlen, da lokal applizierte Hemmstoffe keinen
Einfluss auf Ausbreitung und Abheilung der Zostereffloreszenzen haben. Eine zusätzliche hochdosierte
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http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm Verabreichung von Steroiden verkürzt die Phase des akuten Zosterschmerzes, bringt jedoch keinentherapeutischen Zugewinn bezüglich der Verhinderung der postzosterischen Neuralgie. Bei Versageneiner konventionellen Analgetikatherapie kann die Steroidbehandlung erwogen werden, wobei möglicheNebenwirkungen sorgfältig zu beachten sind.
Neben der antiviralen Behandlung muss bei auftretenden Schmerzen unverzüglich mit derSchmerztherapie begonnen werden, um einer Chronifizierung des Schmerzes vorzubeugen. DerDosisaufbau sollte konsequent nach Wirkung bis zur deutlichen Schmerzreduktion erfolgen. Wird unterkonsequenter Analgesie keine ausreichende Schmerzlinderung erreicht, ist frühzeitig einSchmerztherapeut hinzuzuziehen. Die Behandlung sollte nach dem 3-Stufenschema der WHOdurchgeführt werden.
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Tab. 1 Antivirale Therapie des Zoster
Virustatikum
Dosierung
Behandlungsdauer
Aciclovir i.v.-Inf.
3x täglich 10(-15) mg/kg KG(maximal 2500 mg/Tag) Aciclovir (oral)
5x täglich 15 mg/kg KG(maximal 4000mg/Tag) Brivudin (oral)
1x täglich 2 mg/kg KG(max. 1 x 125 mg/Tag) Famciclovir (oral)
Valaciclovir (oral)

1) Für Patienten mit einem schweren Krankheitsbild, insbesondere für Immunsupprimierte wird die intravenöse Therapie
empfohlen (Höchstdosis über 10 Tage ist zu erwägen).
2) Brivudin und Famciclovir sind für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen. Bei Anwendung Abwägung des Nutzen-Risiko-
Verhältnisses u. Aufklärung wie unter Studienbedingungen erforderlich.
Fetales Varizellensyndrom

Varizellen in der Schwangerschaft können zu schweren Schädigungen des ungeborenen Kindes führen.
Bei einer Erkrankung bis zur 20. Schwangerschaftswoche tritt mit einer Häufigkeit von etwa 2 Prozent das
fetale Varizellensyndrom auf. Im Vordergrund der Symptomatik stehen narbige Hautveränderungen,
Augenerkrankungen, neurologische Defekte und Skeletthypoplasien. Die Letalität beträgt etwa 25
Prozent. Zeichen einer fetalen Infektion kann auch ein Zoster im frühen Kindesalter sein. Bei
Zostererkrankungen in der Schwangerschaft besteht kein erhöhtes Risiko für das ungeborene Kind.
Prophylaxe
Die Immunglobulin-Prophylaxe schützt empfängliche Schwangere vor schweren Varizellen. Ob damit
auch die Virämie und die fetale Infektion bzw. das fetale Varizellensyndrom verhindert werden kann, ist
fraglich.
Neonatale Varizellen

Windpocken in den ersten 10 (-12) Lebenstagen werden durch intrauterine Virusübertragung in der
Perinatalperiode verursacht (neonatale bzw. konnatale Varizellen). Erkrankt die Mutter 5 Tage vor bis 2
Tage nach der Geburt an Windpocken, kann es beim Neugeborenen zu lebensbedrohlichen Varizellen
kommen. Die Letalität liegt bei 30 Prozent, wobei die häufigste Todesursache eine interstitielle Pneumonie
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http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm ist.
Prophylaxe/Therapie
Zur Prophylaxe erhalten Schwangere ohne Varizellenanamnese und ohne Varizellenimpfung innerhalb
von 96 Stunden nach Exposition Varicella-Zoster-Immunglobulin. Wenn möglich, sollte die Geburt einige
Tage hinausgezögert werden bis die Mutter Antikörper gebildet und diaplazentar übertragen hat.
Neugeborene, deren Mütter bis zu 5 Tage vor bzw. 2 Tage nach der Geburt an Varizellen erkrankt sind,
erhalten unverzüglich Varicella-Zoster-Immunglobulin (0,5 ml/kg KG i. m. oder 1 ml/kg KG i. v.). Sie
sollten außerdem 10 (12) Tage stationär beobachtet werden, um bei ersten Krankheitserscheinungen
sofort mit der i. v. Aciclovir-Therapie beginnen zu können.
Exogen erworbene Varizellen in der Neonatalperiode

Varizellen nach dem 10. (-12.) Lebenstag sind exogen erworben und haben bei Reifgeborenen eine gute
Prognose. Für Frühgeborene mit unreifem Immunsystem kann die Erkrankung in den ersten 6
Lebenswochen jedoch bedrohlich sein.
Prophylaxe/Therapie
Entsprechend einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)
erhalten gefährdete Frühgeborene (< 28. SSW ; < 1.000 g Geburtsgewicht oder negative VZV-Anamnese
der Mutter) innerhalb von 96 Stunden nach Exposition Varicella-Zoster-Immunglobulin (1ml/kg KG i. v.).
Bei einer zu erwartenden schlechten Prognose sollten alle Neugeborenen sofort nach Auftreten der
ersten Effloreszenzen antiviral (Aciclovir i. v.) behandelt werden.
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http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm Labordiagnostik

Varizellen lassen sich in der Regel klinisch an den typischen Hauteffloreszenzen diagnostizieren.
Differentialdiagnostisch kommen bei immunsupprimierten Patienten generalisierte Zoster-Infektionen oder
disseminierte Herpes-simplex-Virusinfektionen in Betracht. Probleme können atypische Verläufe des
Zoster bereiten, die vor allem unter Immunsuppres sion zu beobachten sind. Zur Bestätigung oder zum
Ausschluss der Erkrankungen stehen eine Reihe labordiagnostischer Verfahren zur Verfügung. Die
Methode der Wahl ist die Polymerasekettenreaktion (PCR), mit der sich die virale DNA in Bläscheninhalt,
Liquor, EDTA-Blut und Gewebeproben zuverlässig nachweisen läßt. Die Anzüchtung des VZV, die einige
Wochen dauern kann, ist nur zu empfehlen, wenn eine molekularbiologische Charakterisierung bzw.
Empfindlichkeitsprüfung des VZV erfolgen soll.
In der Praxis werden bei Verdacht auf VZV-Infektion meist serologische Untersuchungen unter
Einbeziehung von IgM-, IgA- und IgG-Antikörpern durchgeführt.
Beim Zoster gestatten sie oft nur eine retrospektive Diagnose, wobei negative Befunde die Erkrankung
nicht ausschließen.
Varizellenimpfung: Standard- und Indikationsimpfung

Die Impfung erfolgt mit einer attenuierten Lebendvakzine (OKA-Stamm). In Deutschland sind zwei
Impfstoffe zugelassen, die sich nicht in ihrer Wirksamkeit und Sicherheit unterscheiden
(VarilrixÒ,GlaxoSmith-Kline und VarivaxÒ, Sanofi Pasteur MSD). Bei gesunden Personen wird mit der
Varizellenimpfung eine Serokonversionsrate von über 97 Prozent erreicht, bei Risikopatienten liegt diese
zwischen 80 und 90 Prozent. Kinder vor dem vollendeten 13. Lebensjahr erhalten eine Impfung. Ältere
Kinder, Jugendliche und Erwachsene benötigen 2 Impfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen.
Die Impfung vermittelt einen effektiven Schutz vor Varizellen und ihren Komplikationen. Darüber hinaus
hat sie bei Immunsupprimierten einen protektiven Effekt gegenüber Zoster gezeigt.
Im Juli 2004 wurde die Varizellenimpfung von der STIKO als Standardimpfung für alle Kinder und
Jugendliche in den Impfkalender aufgenommen. Die Impfung ist vorzugsweise im Alter zwischen dem
vollendeten 11. bis 14. Lebensmonat durchzuführen. Die STIKO empfiehlt, alle älteren Kinder und
Jugendliche ohne Varizellenanamnese zu impfen. Die Nachholimpfungen sollten spätestens im Alter von
9 bis 17 Jahren erfolgen.
Weiterhin wird die Varizellenimpfung bei Vorliegen der in der Tabelle 2 aufgelisteten Indikationen
empfohlen. In der STIKO-Empfehlung wird auch auf die Möglichkeit der Impfung von empfänglichen
Personen mit HIV-Infektion hingewiesen, wenn diese noch über eine funktionierende zelluläre Abwehr (³25
Prozent der altersentsprechenden CD4+-Zellzahl) verfügen.
Kontraindikationen sind der Packungsbeilage und Fachinformation des jeweiligen Impfstoffes zu
entnehmen.
Tab.2 Standard- und Indikationsimpfung gegen Varizellen (STIKO-Empfehlungen, Stand Juli 2004)
Standard-
· Al e Kinder, vorzugsweise im Alter zwischen dem vol endeten 11. bis 14.
· Al e älteren Kinder und Jugendliche ohne Varizel enanamnese (Nachholimpfungen sol ten spätestens im Alter von 9 bis 17 Jahren
Allgemeine
Indikation
Medizinische
Indikation
· vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation· unter immunsuppressiver Therapie (Impfung nicht unter intensiver immunsuppressiver Therapie durchführen; z.B. in der Anfangsphase derBehandlung) · Patienten mit Leukämie: Voraussetzung ist Abschluss der immunsuppressiven Therapie und vol ständige klinische Remission Fachausschuss Varizellen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung de.
http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm ³ 12 Monate; vol ständige hämatologische Remission (Gesamt- lymphozytenzahl ³ 1.200/ mm3 Blut)*2. Empfängliche** Patienten mit schwerer Neurodermitis3. Empfängliche** Personen mit Kontakt zu 1. und 2.
Berufliche
1. Seronegatives Personal im Gesundheitsdienst, Indikation
besonders in Pädiatrie, Onkologie, Gynäkologie/Geburtshilfe,Intensivmedizin, Betreuung von Immundefizienten 2. Seronegatives Personal bei Neueinstel ungen in Gemeinschafts- einrichtungen für das Vorschulalter *) Anmerkung des „Fachausschusses Varizel en“ der DVV: Patienten mit Leukämie und anderen onkologischenErkrankungen sol ten nur nach vol ständiger Remission und Abschluß der Chemotherapie nach Absprache mit demTherapiezentrum gegen Varizel en geimpft werden.
**) Empfänglich bedeutet: keine Varizel enanamnese, keine Impfung und bei Testung seronegativ.
Fachausschuss Varizellen der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung de.
http://www.dvv-ev.de/therapieempfehlungen/de/mb_varizellen_zoster.htm Postexpositionsimpfung

Die derzeitigen Impfempfehlungen der STIKO sehen die Postexpositionsimpfung für ungeimpfte Personen
ohne Varizellenanamnese beziehungsweise mit unbekanntem VZV-Immunstatus vor, die Kontakt zu
Risikopatienten haben. Das gilt insbesondere für das Personal im Gesundheits- und Pflegedienst sowie
für Personen mit Haushaltskontakten. Eine Wirksamkeit der Impfung kann nur erwartet werden, wenn sie
innerhalb von 3 Tagen nach Auftreten des Exanthems beim Indexfall beziehungsweise 5 Tage nach
Kontakt mit dem Indexfall erfolgt.
Weiterführende Literatur

Asano Y, Suga S, Yoshikawa T, et al. Experience and reason: twenty-year follow-up of protective immunity
of the Oka strain live varicella vaccine. Pediatrics 1994; 94: 524-526
RKI: Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/Stand: Juli 2004.
Epid Bull 2004; 30: 236-250
RKI: Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, Neues in den aktuellen
Impfempfehlungen der STIKO. Epid Bull 2004; 32: 261
Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie
e.V. (DGPI) (Hrsg.) / Redaktionskollegium H. Scholz, B.H. Belohradsky, U. Heiniger, W. Kreth, R. Roos. 4.
erw. und überarbeitete Auflage, München, Futuramed-Verlag, 2003, S. 732 – 739
RKI: Begründung der STIKO für eine allgemeine Varizellenimpfung. Epid Bull 2004;49:421-442
Varicella-Zoster-Virus-Infektionen: Aktuelle Prophylaxe und Therapie (A. Sauerbrei, P. Wutzler (Hrsg.)
Bremen, London, Boston, Uni-Med Verlag AG, 2004
DVV-Fachausschuss Varizellen
Prof. Dr. Inge Färber, Jena
Prof. Dr. Peter Höger, Hamburg
Prof. Dr. Friedrich Hofmann, Wuppertal
Prof. Dr. Hans Wolfgang Kreth, Würzburg
Prof. Dr. Albert Neiß, München
Prof. Dr. Wolfgang Raue, Leipzig
Prof. Dr. Burkhard Schneeweiß, Berlin
Prof. Dr. Adolf Windorfer, Hannover
Prof. Dr. Peter Wutzler, Jena

Source: http://www.dvv-ev.de/TherapieempfMerkbl/Fachausschuss%20Varizellen%20der%20Deutschen%20Vereinigung%20zur%20Bekaempfung%20der%20Viruskrankheiten%20e.pdf

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